In der Selbstpsychologie ist der Begriff  „Selbsterleben“ von zentraler Bedeutung. Deshalb soll dieser Begriff zuerst erklärt werden.
Selbsterleben bedeutet, wie ich mich aktuell erlebe, wie ich mich oder meinen Zustand oder mein „Ich“ im Augenblick erlebe und beschreiben würde.....mehr...

Mit der Entwicklung der Selbstpsychologie (Heinz Kohut) hat die Psychoanalyse in Theorie und Praxis eine entscheidende Veränderung erfahren.
Das Selbst wird als komplexe Organisation von Beziehungserfahrungen, -Erwartungen und -Bedürfnissen verstanden.....mehr...

Die Erde birgt keinen Hass, sondern nur Liebe,
die sich in Hass gewandelt hat
und die Hölle birgt keinen Zorn
wohl aber ein verschmähtes Baby.
Ian Suttie, 1935

Psychoanalytische Selbstpsychologie

Die Selbstpsychologie wurde als Weiterführung der Psychoanalyse Sigmund Freuds in den Sechziger Jahren von Heinz Kohut (1913, Wien, - 1981, Chicago) begründet. Das "Selbst" des Menschen, wie es sich von seinen Ursprüngen her im Austausch mit den frühen Bezugspersonen entwickelt, steht im Mittelpunkt ihres Interesses. Die Gegenwart und die Entwicklung des Selbst, wie es sich im intersubjektiven Feld der Beziehung zeigt, bilden den Schwerpunkt der psychoanalytischen Arbeit.

Der psychische Konflikt, von der klassischen Psychoanalyse im Zentrum der Theorie und der Behandlung gesehen, wird in der Selbstpsychologie erst auf Grund seiner Entwicklung verstehbar und behandelbar: es sind die Beziehungsweisen der frühen Kindheit, die zum Aufbau des Selbst mit seinen Möglicheiten, aber auch mit seinen Störungen geführt haben. Dementsprechend ist die Selbstpsychologie einem systemorientierten und ganzheitlichen Denken verpflichtet. Die moderne Säuglingsforschung gibt der Selbstpsychologie eine empirische Grundlegung.

"Psychoanalytische Selbstpsychologie" ist eine Psychoanalyse, die dem wissenschaftlichen Fortschritt seit Freud Rechnung trägt und in ihre Theorie und Praxis einbezieht. Gegenüber der "klassischen Psychoanalyse" mit ihrer mechanistisch-individualistischen Triebtheorie, die den Patienten zum Objekt macht und scheinbar "objektiv" beobachtet, sehen wir den Menschen von Anbeginn (Säuglingszeit) an "in Beziehung" und nicht als "Einzelwesen".

Damit stehen die Vernetzungen, in denen ein Mensch sein Leben lebt, im Vordergrund - vor allem in der Weise, wie sie sich in der Analytiker-Patient-Beziehung abbilden. Beide Teilnehmer der therapeutischen Beziehung bringen je ihre subjektive Geschichte - wie sie in ihren Beziehungen geworden sind - in die aktuelle Beziehung ein, deren Gestaltung und zunehmendes Verständnis mithilfe von Deutung und Korrektur der Deutung die analytische Aufgabe ist.

Das bedeutet eine klare Absage an autoritär verstandene und geführte Analysen und erfordert die permanente Selbstreflexion des Analytikers, seines eigenen Beitrags zur therapeutischen Beziehung.

Die entscheidende Hilfe für diese Einstellung und diese Arbeit bildet die Theorie und Praxis der Selbstpsychologie, wie sie von Heinz Kohut (1913 Wien - 1981 Chicago) in den sechziger und siebziger Jahren des 20.Jahrhunderts in den Vereinigten Staaten begründet und seit damals von Kollegen und Gleichgesinnten weiterentwickelt wurde.

Das zentrale Konzept der Selbstpsychologie ist die Selbstobjektübertragung. "Selbstobjekt" bedeutet das persistente innere Erleben, daß ein Mensch oder auch eine Sache die für den Aufbau, den Erhalt und die Entwicklung des Selbsterlebens benötigte Funktion bereitstellt.

Es bezeichnet die innere Erwartung (Repräsentanz) ebenso wie die Erfahrung der Erfüllung der Erwartung (d.i. die Erfüllung des Selbstobjektbedürfnisses).

Die Methode der kontinuierlich beibehaltenen "Empathie" und das Bemühen um "optimale Responsivität" bieten die größte Sicherheit, die Angst des Patienten vor der Wiederholung der früheren traumatisierenden Erfahrungen zu verstehen und ihr gemäß diesem Verständnis zu begegnen. Das subjekive Erleben beider Teilnehmer im analytischen Dialog steht dabei im Vordergrund.